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Islamische Gemeinde Marburg e.V

Runder Tisch der Religionen: Politische Verantwortung der Religionen

19:30 - Historischer Rathaussaal, Marburg

Referent Prof. Dr. Rolf Schieder, Berlin

Eine Veranstaltung des Runden Tisches der Religionen Marburg

 

Zum Thema der Politischen Verantwortung der Religionen konnten wir den ausgewiesenen Experten Prof. Dr. Rolf Schieder gewinnen.

Der Lehrstuhlinhaber für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin ist ebenfalls Sprecher des Forschungsbereichs für Religion und Politik – ein interdisziplinär arbeitender Forschungsverbund, in dem Vertreter aus den Politik-, den Rechts-, den Religions-, den Sozial-, den Erziehungswissenschaften und der Theologie zusammenarbeiten. Seine Forschungsschwerpunkte sind Religionspolitik und das Verhältnis von Religion und Recht.

Der gebürtige Coburger wurde an der Ludwigs-Maximilians-Universität München 1986 promoviert und habilitierte sich dort 1994. 1994 bis 2002 war er Professur für Religionspädagogik und Religionsdidaktik an der Universität Koblenz-Landau. 2002 übernahm er die Professur in Berlin. Schieder ist ständiger Gastprediger am Berliner Dom.

Wichtige Veröffentlichungen von Schieder sind: Civil Religion. Die religiöse Dimension der politischen Kultur (1992); Religion im Radio (1995); Wieviel Religion verträgt Deutschland? (2001), Sind Religionen gefährlich? (2011, 2. erw. Aufl.), Religion and Democracy. Studies in Public Theology zusammen Torsten Meireis (2017).

 

Religionen prägen das Leben von Individuen und Gesellschaften und erreichen mit ihrer Botschaft viele Menschen, sie vermitteln wichtige Werte wie Versöhnung, Menschlichkeit und Gerechtigkeit. In den letzten Jahren wurden sie jedoch häufig als Ursache von Terror, Gewalt und Unterdrückung dargestellt. Dabei haben Religionen den Anspruch, friedfertig zu sein und es gibt beeindruckende Beispiele religiös begründeter Friedensstiftung. Das konstruktive und verbindende Potenzial von Religionen will heute selbst das auswärtige Amt nutzen und verstärkt Religionsgemeinschaften als strategische Partner für z.B. die Friedensarbeit in den Blick nehmen sowie auf Religionsvertreterinnen und -vertreter zugehen und sie ermutigen, ihre Mitverantwortung für Frieden und Stabilität wahrzunehmen.

In einer Zeit, in der die Welt im Umbruch ist, Ordnungen zerfallen und Konflikte pseudo-religiös aufgeladen und Ängste geschürt werden, gewinnen Religionsgemeinschaften als nichtstaatliche Akteure an Bedeutung. Die Säkularisierung mag ein gewisser Trend sein, der politische Einfluss von Religion generell wächst jedoch – gerade auch außerhalb Europas, deshalb sind Religionsvertreterinnen und -vertreter unverzichtbare zivilgesellschaftliche Ansprechpartner der Politik.

Schieder macht hierzu deutlich, dass sich ein moderner Staat nicht bloß als Verwalter religiöser Pluralität betrachten, sondern um die politische Partizipation seiner religiösen Bürger werben sollte. Interreligiöse Kompetenz müsse – auch als Gewaltprävention – durch eine staatspolitisch durchdachte religiöse Bildung und "Theologie als Aufklärung über Religion" gefördert werden.

Darüber und über die Frage, wie religiöse Menschen in der Politik Zeichen setzen können wollen wir an diesem Abend hören und mit dem Prof. Schieder diskutieren.